Von starken Rittern und holden Jungfrauen

by Elisa
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Warum habe ich mir das gleich gedacht? Dieser kleine Nebensatz war wohl Schuld daran. „Bin gerade in Irsee im Hotel“ – eigentlich nicht unbedingt notwendig, das zu schreiben, wenn die Nachricht nicht auf eben das abzielen würde, was ich schon im Gefühl hatte. Jeder andere würde sich vielleicht nichts dabei denken, aber ich bin es gewohnt, denn ich wurde als etwas geboren, das einen dazu verdammt: als Frau. Doch fangen wir von vorne an.Ich freue mich, dass auf meinem Instagram-Account inzwischen eine mehr oder weniger rege Kommunikation stattfindet und ich immer mal wieder Nachrichten von lieben Menschen bekomme, die sich mit mir austauschen und mir Feedback zu meinen Texten und Bildern geben. Natürlich sind darunter auch Männer und ich muss vorwegnehmen: Zum Großteil sind es nette Gespräche, respektvolle Kommentare und ein kurzer Austausch über verschiedene Inhalte, die einen zum Schmunzeln bringen – das provoziert mein Profil ja auch – keine Frage. Trotzdem will ich diese eine Nachricht zum Anlass nehmen, etwas zu thematisieren, das mir schon lange ein Dorn im Auge ist.

Mir schreibt also am Montag Morgen ein junger Mann. Seine Nachricht: 

Ich freue mich natürlich über eine so positive Rückmeldung, frage mich aber bereits jetzt schon, was dieser kleine Nebensatz „Bin gerade in Irsee im Hotel“ zu bedeuten hat. Ist er wirklich nur dazu da um zu erklären, warum dem Herrn meine Bilder, die eben oft auch in Irsee entstanden sind, vorgeschlagen werden? Ich antworte:

Wenige Minuten später kommt die Antwort:

Ich zweifle kurz an meiner Vorahnung und komme zu dem Schluss, dass es wohl doch einfach ein netter Kerl ist, der sich austauschen wollte. Ich antworte:

Doch zu früh gefreut. Es stellt sich heraus, dass aller Smalltalk am Anfang nur die Strategie war, um mich anzulocken, ganz so, wie es einem die Dating-Tipps der Bravo ans Herz legen würden. Füttere das Objekt an, tausche ein paar banale Sätze mit ihm aus, um nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen und es zu verschrecken. Wenn es den Köder angenommen hat, setze zum Schuss an:

-.- Ich sitze am Frühstückstisch und muss lachen. Meine Vorahnung hat sich also doch bestätigt. Die dem weiblichen Geschlecht zugeschriebene Intuition hat mich also doch nicht im Stich gelassen. Jetzt denkst Du Dir vielleicht, was eigentlich mein Problem ist. Das ist doch eine im Prinzip harmlose Nachricht. Und genau dieser Gedanke gehört auch zum System. Es ist eben für viele Menschen kein Problem, sondern Normalität. Ich kann Dir sagen, was mich daran stört. Es ist dieses Bild, das viele Männer von Frauen haben.

Dafür können sie in den meisten Fällen nicht einmal etwas. Es ist unserer Gesellschaft so antrainiert worden und das über Jahrhunderte hinweg. Frauen sind passiv, der Mann muss zur Aktion schreiten. Dabei sind es zwei Dinge, die mich daran so stören. Zunächst einmal: Wer spricht die Erlaubnis aus, diesen Angriff überhaupt zu versuchen? Warum meint dieser Mensch, der mich gerade seit 5 Minuten „kennt“ und das auch nur, weil Instagram mich ihm vorgeschlagen hat, dass er mich nach meinem Beziehungsstatus fragen darf? Und zweitens: Die einzige Information, die ihn dabei interessiert, ist, ob ich in festen Händen bin oder nicht. Ob ich an ihm Interesse habe oder nicht, scheint ihm dabei nicht wichtig zu sein. Oder er ist so von sich selbst überzeugt, dass er von vorn herein davon ausgeht, dass jede Frau, der die Gunst zukommt, von ihm nach ihrem Beziehungsstatus gefragt zu werden, vor Rührung ohnmächtig zu Boden fällt. Ich überspitze, ja, aber das ist genau das Problem. Es bestätigt zutiefst die klassische – wenn ich mich dem Fachwort bedienen darf – „Gender“-Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Er tut es, sie hat es hinzunehmen und auf seinen Akt der Annäherung zu reagieren. Ja oder nein – besetzt SEIN oder besetzt WERDEN – das ist hier die Frage. Und die wird von ihm gestellt, nicht etwa von der Frau selbst.

Ich habe nicht darauf reagiert, sondern versucht, ihm meine Enttäuschung – wenn man davon überhaupt sprechen kann, da ich ja bereits eine Vorahnung hatte – darüber mitzuteilen, wie er mit mir umgeht:

Einfacher ausgedrückt: Mein Beziehungsstatus – nicht etwa angestrebter Respekt oder eine würdevolle Behandlung – ist der ausschlaggebende Punkt für seine Art der Kommunikation oder ob es für ihn eine Schwelle gibt oder nicht. Ob eine Frau in festen Händen ist oder eben nicht bestimmt darüber, ob sie erobert werden kann oder nicht. Weil das alles ist, was Frauen, die nicht in festen Händen sind, wollen – in die festen Hände eine Mannes geraten. Dabei kommt man(n) nicht auf die Idee, dass wenn dem so wäre, vielleicht auch die Initiative von Seiten der Frau ausgehen könnte. Dass sie – wäre sie auf der Suche nach jemandem – schon selbst zu verstehen geben würde, dass dem so sei. Aber halt – da kommt ein weiteres Problem in die Quere, dass den Teufelskreis perfekt macht. Eine Frau im Eroberungsmodus ist nicht gerne gesehen und wird oft als – ich will es hier nicht nennen – abgestempelt. Um dem zu entgehen, wird sie zwangsweise in die Rolle gedrängt, sich erobern zu lassen und spielt damit dem ganzen so gewachsenen Nonsense in die Taschen. Und das ist, was mich so ärgert. Darüber hinaus ärgere ich mich aber auch über mich selbst. Ich erwische mich nämlich dabei, wie ich mich selbst überprüfe. Ob ich in einer meiner Nachrichten irgendeinen Anhaltspunkt gegeben habe, der sein Verhalten rechtfertigen könnte. Vielleicht, weil ich überhaupt geantwortet habe? Habe ich selbst Schuld? Da wären wir also bei der Diskussion um den zu kurzen Rock angelangt, den sie an dem Abend getragen hat und ihm also unmissverständlich die Einladung dazu gegeben hat, ihr Gesäß zu betatschen. Alles Situationen, die auch mir leider nicht erspart geblieben sind – auch mit Hose statt Minirock. Bleibt die Frage, was gewesen wäre, wenn ich dem jungen Mann mitgeteilt hätte, ich wäre nicht in festen Händen. Hätte ich dann eine Einladung auf sein Hotelzimmer bekommen? Denn schließlich ist er, wir erinnern uns, doch nur auf Geschäftsreise und inzwischen vielleicht, wie es edle Ritter eben so tun, wieder von dannen gezogen. Es ging also wohl nicht um ein ausführliches Kennenlernen, da er gerade auf der Suche nach einer neuen Lebenspartnerin ist, sondern – überspitzt ausgedrückt – darum, sich eine Frau aufs Zimmer zu bestellen. Wissen tue ich es nicht, aber eines ist sicher: Dass er leider diesmal davongaloppieren muss, ohne die holde Jungfrau mit auf sein Schloss nehmen zu können.

© Elisa Hanusch

P.S.: Was ich hier mit Dir teile, sind Erfahrungen, die ich leider allzu häufig machen musste. Der junge Mann hat leider die A-Karte gezogen, dass er derjenige ist, der das Fass zum Überlaufen und mein Schreibbedürfnis zum Fließen brachte. Dennoch bin ich Männern gegenüber sehr positiv eingestellt, da es eben auch zur Genüge diejenigen gibt, die sich angemessen verhalten, so, wie man es von Mensch zu Mensch eben erwarten würde. Ich spreche hier also ein sehr kontroverses Thema an. Darum würde es mich sehr freuen, von Deinen Erfahrungen in den Kommentaren lesen zu dürfen. Sowohl von weiblicher, als auch von männlicher Seite. Denn dieses Thema ist so wichtig. <3

In diesem Sinne: Hab eine geile Woche,

Deine Elisa

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