Regengedanken | Von Corona, Einsamkeit und Identität

by Elisa
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Es prasselt auf mein Dachschrägenfenster und bei dem unaufhörlichen, so beruhigenden Geräusch, zwischen Corona, Texten, die ich eigentlich nicht schreiben will, aber muss und dem unangenehmen Gefühl, irgendwo zwischen Zeit und Raum zu schweben, kommt mir mein Blog in den Sinn, den ich so lange vernachlässigt habe. Kennst Du das Gefühl, wenn Du etwas vor Dir herschiebst und das schlechte Gewissen umso größer wird, je weiter die Zeit voranschreitet? So ging es mir mit dem Vorhaben, mich endlich wieder an die Tastatur zu setzen und mich an Dich zu richten. Also sitze ich jetzt hier, mit einer Schüssel heißem Porridge und tippe diese Zeilen.

Es ist eine schwierige Zeit – auch für mich. Egoismus und Unsicherheit geben sich täglich die Hand, ich weiß nicht, was kommen wird, eine neue Welle wäre verheerend. Nicht nur für die erkrankten Menschen, sondern auch für mich, als Freiberuflerin. Ich bin ein sicherheitsbedüftiger Mensch – Corona ist für mich gerade deshalb eine so große Herausforderung. Aber es bleibt nichts anderes, als abzuwarten, sich nicht allzu sehr über die Menschen aufzuregen, die für ihre „persönliche Freiheit“ auf die Straße gehen, ohne zu merken, wie sie damit die Freiheit anderer beschränken. Ein Risiko eingehen, das am Ende nicht sie selbst, sondern die betreffen wird, die sich an die Regeln halten. Rückblickend gesehen, frage ich mich, was das eigentlich für ein seltsames Jahr war. So, wie wir das wohl alle tun. Man sagt, man könne aus Krisen lernen – hinsichtlich der ganzen Geschehnisse bin ich mir nicht sicher, ob wir etwas gelernt haben. Ich sehe nur, dass man sich in der Krise auf kaum jemanden verlassen kann, außer auf sich selbst.

Unsicherheit

Und selbst das ist schwierig. Denn Du kannst noch so viel aufbauen, noch so viele Sicherheiten konstruieren in Deinem täglichen Leben, in Deiner Existenz. Morgen kann alles anders sein. Können Dinge passieren, mit denen Du nicht gerechnet hat. Mir ist das ständig passiert. Während meiner Kindheit, während meiner Schulzeit und, so positiv es letztendlich verlaufen ist, durch den plötzlichen Tod meines Papas auch während meines Studiums. Jetzt bin ich selbstständig – und auch wieder nicht, denn dazu müsste man auf eigenen Beinen stehen können – und während ich versuchte, mir meine Existenz aufzubauen, kam die Pandemie. Ich möchte jetzt keine „5 Tipps wie Du aus einem Tief herauskommst“ oder „10 Wege für mehr Gelassenheit im Alltag“ hier anfügen. Warum? Weil ich für mich gemerkt habe, dass dahinter meist müde Floskeln oder immer wieder aufgewärmte und dadurch matschig gewordene Behauptungen stecken, die vielleicht für Max Mustermann, nicht aber für mich funktionieren. Nicht für das echte Leben. Nicht für den alternativen Weg.

Abkapselung

Genau so, wie die Gesellschaft, auf deren Basis diese „Tipps“ entstehen, mich immer wieder aus meiner Blase herausholt, wenn sie mir als fleischessend, gewaltbereit, empathielos begegnet. Ich fühle mich dann oft wie in einer Kapsel, die zwar auf der Welt ist, aber kein Teil davon. Die irgendwie abgespalten von allem nur beobachtet, aber nicht teilhaben kann. Das mag befremdlich klingen, aber vielleicht kennst Du dieses Gefühl. Wenn Deine Existenz von Überzeugungen geformt ist, die Dir so unmöglich vorkommen, sobald Du anderen begegnest. Du beginnst, Dich selbst in Frage zu stellen, weil Du nicht glauben kannst, dass die Wahrnehmung anderer so verschieden von Deiner eigenen sein kann. Und irgendwo zwischen dem Versuch, Dich selbst zu positionieren, einen Platz zu finden in Deiner Umgebung, gehst Du verloren – wie bei der Reise nach Jerusalem. Du warst einfach nicht schnell genug und nun ist kein Stuhl mehr frei. Der Kreis ist geschlossen und Du stehst außerhalb davon. Ich weiß nicht, wie ich das Ruder jetzt noch herumreißen kann, um ein einigermaßen positives Ende zu finden und diesen Regenguss von Gedanken in ein Licht zu rücken, das Du erhellend findest und für Dich anwenden kannst. Aber vielleicht muss ich das auch nicht. Vielleicht reicht es, diesen ersten Beitrag nach langer Zeit, dem nun hoffentlich weitere folgen, an all diejenigen zu richten, die er anspricht. Die sich manchmal vergessen fühlen. Die manchmal an der Gesellschaft verzweifeln. Die oft nicht wissen, wo ihr Platz ist. Die einsam sind.

Du bist nicht allein.

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