Orgasmen der Natur

by Elisa
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Magst Du Gewitter? Ich persönlich liebe sie. Diese Kraft, diese unerreichbare Mächtigkeit, diese beeindruckende Gewalt die ein solches Gewitter ausdrückt, fasziniert mich einfach. Ich sitze dann oft da und schaue aus dem Fenster, kann mich nicht satt sehen und hören. DAS ist die Natur, mächtiger als alle Menschen, die je auf dieser Welt gelebt haben, zusammen – wenn sie will, kann sie uns auslöschen, mit einem Schlag.

DAS GEWITTER IN UNS

Ein solches Spektakel kann so unterschiedliche Gefühle in uns auslösen. Neben dem der Ehrfurcht kann es uns auch zeigen, wie sehr wir mit der Natur verbunden sind. Über diese Verbindung schaffen wir wieder einen Bogen zu unserem Thema, zu der Sexyness der Natur und zu unserer Sexualität, die sich in ihr wieder finden lässt.

Im Loslassen der Natur in Form eines Gewitters können wir sie entdecken. Das vorhergehende Aufstauen, das Grollen in der Ferne, das immer näher kommt, während mehr und mehr Wolken sich aufbäumen und zu einer unauflöslichen Wand verschmelzen, die Funken und Blitze, die sie sprühen, immer ekstatischer, bis schließlich alles in Fluss kommt, die Wolkendecke sich öffnet und der lang ersehnte Regen sich über das Land ergießt. Ein Erguss, dem diese Leere folgt, die Du vielleicht auch kennst. Sie kann sich seltsam anfühlen, wie eine Art Schwebezustand, von dem man noch nicht weiß, wohin er einen bringt, wohin man sich jetzt bewegen soll. Man schwebt irgendwie zwischen den Zuständen. Dieser gerade erlebten vollkommenen Ekstase und Hingabe einerseits, die dann doch nur einen so kurzen Moment andauert und dem noch nicht zurück fließen Können in den Alltag. Das festhalten Wollen dieses Zustandes, diesem unwahrscheinlichen Wohlgefühl, einem dieser wenigen Momente, wo man ganz bei sich sein kann, wo man nur noch das Gefühl spürt, keine Sorgen mehr, keine Schmerzen, keine Angst, der Moment, in dem man ganz Körper, ganz ich, ganz Natur sein darf. Es entsteht dieses Gefühl der Erneuerung, der Reinheit, des Beginns einer neuen Bewegung, die uns zum nächsten Gewitter tragen wird. Und wie wir schweben und für einen kurzen Moment nicht wissen, zu welcher Seite wir uns neigen sollen, schwebt auch die Natur nach einem Gewittern. Sie schafft sich durch diese Explosion des Himmels und den ergiebigen Regengüssen, die alles, was zu ihr gehört, rein waschen, einen Reset. Alles wird auf null gestellt, alles kann von Neuem geschaffen werden, alles ist möglich. Der Schmutz des Alltags ist weggewaschen, die Pflanzen stehen in saftigem, glänzendem Grün, die ersten Vögel stimmen ihr Lied wieder an und durchziehen diese saubere und so unglaublich gut riechende Luft mit ihren vielversprechenden Tönen. Alle Kräfte, die vorher inne gehalten hatten, um sich zu schonen, um das lange Warten auf den nächsten feuchten Wohlgenuss besser überstehen zu können, stehen nun in ihrer vollen Pracht da, bereit, zu neuer Größe emporzusteigen. Wenn ein Gewitter tobt, schweigt die Welt. Aller Lärm ist dagegen nichts. Ein Gewitter hinterlässt bei jedem einen Gefühlseindruck, da wir wissen, dass wir gegen einen Schlag der Natur nicht ankommen können. Egal was wir tun und welche Vorkehrungen wir treffen – wenn die Natur schreit, kommt der Mensch nicht dagegen an – man denke nur an die vielen verheerenden Naturkatastrophen. Ratsam wäre es, sich dieser Macht nicht nur dann bewusst zu sein, wenn es laut wird da draußen, sondern auch dann, wenn die Natur schweigt.

Ein Krokodil das schläft, ist deswegen nicht weniger ein Krokodil als vorher. Ein kleiner Impuls reicht aus, um es zu wecken und zur Gefahr für all diejenigen werden zu lassen, die sich in seiner Umgebung befinden.

Und genau so ist es mit der Natur selbst. Ihre Macht geht nicht verloren, wenn gerade kein Gewitter tobt. Sie schlummert nur und wartet auf den nächsten Auslöser, der das Blut in ihr in Wallung und den Himmel zum Zerbersten bringt. Das sollte uns immer bewusst sein, wenn wir mit ihr umgehen. Wenn wir nur unsere eigenen Bedürfnisse befriedigen, ohne auf die ihrigen zu achten, wird sie einfordern was sie braucht, um sich von unserer egoistischen Triebbefriedigung zu befreien. Dabei wäre eine gegenseitige Befriedigung leicht möglich, der einen sollte die andere nicht im Wege stehen. Über das, was es mit dieser Art von Verhältnis, das sich auch auf unsere Sexualität produktiv anwenden lässt, auf sich hat, werde ich einen eigenen Beitrag schreiben und es hier nicht tiefer behandeln. Was Du Dir aber, egal auf welchen Bereich Deines Umgangs mit anderen Menschen, Tieren oder der Natur es sich bezieht, immer merken solltest, ist, dass eine ausschließliche Befriedigung der eigenen Bedürfnisse immer schlecht ist. Das kann auf Dauer einfach nicht gut gehen und Du wirst diese Regel – oder man könnte fast sagen dieses Gesetz – schnell verstehen, wenn Du Dir die Situation umgekehrt denkst.

Was wäre, wenn Du derjenige wärst, von dem man immer nur nimmt, ohne ihm etwas zurückzugeben?

Was würdest Du in dieser Situation tun? Würdest Du Dich nicht irgendwann verarscht fühlen? Würdest Du nicht, der Ungerechtigkeit halber, einfordern, was Dir zusteht? Ein so ungleiches Verhältnis, wie es zwischen der menschlichen Bedürfnisbefriedigung und der der Tiere und der Natur besteht, kann auf Dauer nur ungesund sein. Und wenn es dieses Gegenüber irgendwann nicht mehr gibt, kann man sich entweder nur noch selbst befriedigen und bei sich das suchen, was einem das Gegenüber vorher gegeben hat, (was auf Dauer bestimmt unglücklich macht) oder man kann sich ein künstliches Gegenüber schaffen, mit dem man versucht, das zu imitieren, was man davor zerstört hat. Und genau so, wie es Dir auf Dauer keinen Spaß machen würde, Dich nur mit Sexspielzeug und Dir selbst zu vergnügen, wird es Dir keinen Spaß machen, Deine Erholung am Wochenende in einem angelegten Garten mit Plastikbäumchen zu verbringen, in dem künstlicher Pflanzenduft aus irgendwelchen künstlich hergestellten, krebserregenden Duftstoffen verströmt wird, dem kleine Roboterbienchen nachfliegen, deren Brummen, wie auch das Zwitschern der Vögel, in Dauerschleife ertönt und Du Dir ständig denken musst: Hab ich das nicht schon mal gehört? Diese Gefühllosigkeit dem gegenüber, was uns umgibt, unserem im übertragenen Sinn Sexualpartner gegenüber, wird aus uns empathielose Zombies machen, die irgendwann über einen Planeten wandeln, auf dem es nur noch andere Zombies gibt. Ein 28 days later Szenario in dem sich das menschliche Gewitter, die Ekstase, der Orgasmus, der Höhepunkt nur noch in dem Akt des Gemetzels äußert, weil uns sonst nichts mehr geblieben ist.

Willst Du das wirklich? Nein? Keine Sorge – Du hast jeden Tag aufs Neue die Chance, etwas dagegen zu tun – lass uns gleich anfangen.

Deine Elisa

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