In Memory of a litte girl

by Elisa
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Der heutige Beitrag ist eine Herzensangelegenheit, ich muss die Gedanken auf „Papier“ bringen und dazu eine Geschichte erzählen. Die Erkenntnis daraus ist wieder die einer Symbiose, einer Verschmelzung unseres Selbst mit der Natur, dass wir Natur sind, dass unser Körper Natur ist, genau so wie der Körper der Tiere.

Es ist erst gestern passiert. Ich war auf dem Heimweg. Dabei komme ich durch mehrere Dörfer. In einem sah ich auf der Gegenfahrbahn einen kleinen Körper liegen. Ein Eichhörnchen, das bewegungslos dalag. Für den Bruchteil einer Sekunde überlegte ich, ob ich umkehren soll oder nicht – im angrenzenden Kreisverkehr steuerte sich mein Auto aber wie von selbst. Wieder an der Stelle angekommen hielt ich und schaltete meine Warnblinkanlage an. Ich war irgendwie wütend und fragte mich, wie man am hellichten Tag und an einer sehr übersichtlichen Ortsstraße, ein Tier überfahren kann. Ich stieg aus dem Auto und näherte mich diesem kleinen Körper. Vorsichtig bückte ich mich herunter und streichelte über das weiche Fell. Ich konnte keine Regung wahrnehmen, spürte aber deutlich die Wärme, die von ihm aufstieg. Äußerlich schien es unverletzt, aus Nase und Mund trat ein bisschen Blut aus. Vorsichtig hob ich es auf. Es war überraschend schwer und ganz locker in meinen Händen. Noch deutlicher konnte ich jetzt die Wärme spüren, es musste gerade erst passiert sein. Mit dem Gewicht in meinen Händen befiel mich auch ein allgemeiner Druck. Ich schaute auf dieses kleine Tierlein herunter und es schmerzte mich so sehr, dass es sein Leben lassen musste. Zuerst wollte ich es an den Straßenrand legen, doch es fühlte sich irgendwie nicht richtig an. Ich überlegte kurz und packte das Eichhörnchen ins Auto. Wir begruben es zu zweit. Ich legte es vorsichtig im Gras ab und wartete noch, bis die ganze Wärme aus dem Körper verschwunden war. Ich legte meine Hand auf das Fell und spürte sie verfliegen, ich streichelte vorsichtig über den kleinen Kopf mit den spitzen Ohren, die diese niedlichen Fellbüschel am Ende haben, ich schloss ihm vorsichtig die Äuglein. Und wir trauerten. Als das Loch ausgehoben war und der Körper darin lag, war es ein so trauriger Moment. Als ich eine Butterblume zwischen die Vorderpfötchen legte, liefen mir die Tränen übers Gesicht. Als das Tier begraben war, spürten wir einen Verlust. Es fehlte jetzt etwas, etwas, das durch Unachtsamkeit und völlig ohne Sinn verloren ging. Man hätte nur ein bisschen besser aufpassen müssen. Als ich so dastand und weinte, überlegte ich mir, was wohl jemand anders dazu sagen würde. Vielleicht würde man mich für verweichlicht halten. Vielleicht würde man sagen: „Es ist doch nur ein Tier“ oder „Sowas passiert ständig“. Aber nein, mir ist klar geworden, dass unsere Reaktion und unser Handeln nicht verweichlicht oder sentimental war: Es war echt – es war richtig. Es war die Folge davon, die Distanz aufzugeben, aus dem Wagen zu steigen, dieses unschuldige Tierchen aufzuheben, den warmen Körper in der Hand zu spüren und wie das letzte Leben aus ihm wich und sich damit der Nähe zu uns noch einmal so deutlich bewusst zu werden. Es ist ein Leben verloren gegangen. Es hat ein Herz aufgehört zu schlagen. Das ändert sich auch nicht in der Erkenntnis, dass es ein Tier ist, das da verstorben ist.

© Elisa Hanusch

Es war ein Leben. Egal wie man es dreht und wendet. Ein Leben eines Kreislaufs, zu dem wir alle gehören.

Und ich bin mir sicher, wenn Menschen lernen würden, diese Distanz aufzugeben, die Schranken zu überwinden, die zwischen ihnen und diesen ach so anderen Tieren aufgebaut wurde – durch Werbung, durch Prägung, durch Medien, durch Industrien – könnten sie es auch fühlen. Ausnahmen wird es immer geben, aber im Grunde genommen bin ich davon überzeugt, dass es in uns angelegt wäre. Dieses Erlebnis hat es mir gezeigt. Diese tiefe Trauer, die uns überkommen hat und das gute Gefühl, es trotzdem richtig gemacht zu haben. Es würdig behandelt und nicht gewartet zu haben, bis es durch die darüber weg fahrenden Autos dem Erdboden gleich gemacht wurde. Es tut mir leid kleines Mädchen, dass Du der Unachtsamkeit zum Opfer gefallen bist – aber vielleicht kann Deine Geschichte dazu dienen, Achtsamkeit zu säen. Einen Funken von Zweifel am eigenen Handeln zu zünden, wenn jemand das nächste Mal an einem toten Körper wie Deinem vorbeifährt. Und Du, der Du diese Geschichte nun gelesen hast: Probier es doch einmal aus, hab keine Angst, die Barrieren aufzugeben, die Industrien brauchen, um ihren Profit zu generieren und die Dir eingepflanzt wurden. Hinterfrage Verhältnisse und Normen! Hinterfrage Dich selbst! Lass die Nähe zu und probiere damit Dich selbst aus. Wie viel kannst Du empfinden? Vielleicht findest Du es ja heraus, wenn Du auch einmal so ein Lebewesen von der Straße holst, es in den Händen hältst und seine Wärme spürst. Wenn Du die Schranken aufgibst, die Dir tagtäglich eine heile Welt vorgaukeln und Dich verblenden. Du wirst Empathie ernten, es ist so einfach. Vielleicht entsteht ein Gefühl in Dir, das Dich selbst überrascht und bringt Dir eine Erkenntnis für Dein künftiges Leben. Ich würde mich freuen. Lass uns wieder mehr Gefühl in die Welt bringen, den Tieren, der Natur und uns zuliebe. Wir haben es bitternötig.

Deine Elisa

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