Echtpelz erkennen – 5 Tipps für mehr Tierliebe

by Elisa
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Der Winter ist auf dem besten Weg und hat Väterchen Frost mit im Gepäck. Die heißgeliebte Winterjacke rückt also endlich wieder ins Rampenlicht der Laufstege des Alltags. Meine durfte dieses Jahr in die wohlverdiente Rente gehen und begleitet mich fortlaufend nur noch bei ausgedehnten Spaziergängen im Unterholz oder anderen Gelegenheiten, bei denen es mal dreckiger wird. Als ich die Winterjacken-Auswahl im nahegelegen Kaufhaus nach einem würdigen Nachfolger durchstöbert habe, wurde mir die Realität (außerhalb meiner „Ich-sitze-den-ganzen-Tag-in-meiner-Wohnungs-Blase“) wieder schmerzlich bewusst: überall Pelz-Besätze und -Bommel. Und das Schlimmste daran: nirgends ein Etikett, auf dem steht, dass viele davon echt sind. Das liegt daran, dass es in Deutschland keine Deklarationspflicht für Pelz gibt – unglaublich oder?

Unwissenheit schützt vor Tierleid nicht

Oft stehe ich hinter’m Infostand und begegne Menschen, die glauben, der Kragen an ihrer Jacke wäre künstlich. Wenn ich sie dann vorsichtig darauf hinweise, dass sie damit leider falsch liegen, heißt es meist: „Die hat aber nur 30 Euro gekostet, da kann das doch gar kein echter Pelz sein!“ Die traurige Wahrheit: Unter den Haltungsbedingungen, die für sogenannte „Pelztiere“ heutzutage gelten, ist es meist günstiger, einen Echtpelz zu „produzieren“, als einen Kunstpelz. Das Dilemma ist also folgendes: Weder das Etikett noch der Preis einer Jacke oder Mütze kann verlässlich Auskunft darüber geben, ob hinter einem Besatz ein oft bei lebendigem Leib gehäutetes Tier steht oder nicht.

Jetzt aber bitte nicht verzweifeln – denn es gibt Licht am Ende des Tiernutzungs-Wahnsinns. Wenn Du die folgenden fünf Tipps verinnerlichst, kann gar nichts mehr schief gehen. Dann darfst Du dich selbstbewusst als Echtpelz-Erkennungs-Experte bezeichnen.

1. Die Leder-Methode – was ist drunter?

Es ist eigentlich ganz einfach: Pelz ist abgezogene Haut – genau wie Leder, nur eben mit Haaren. Darum ist bei Echtpelz-Produkten immer eine Lederschicht sichtbar, wenn Du die Haare auseinander ziehst und ganz genau hinschaust. Im Vergleich dazu wäre bei Kunstpelz eine Stoff- oder Gewebeschicht zu erkennen.

© Elisa Hanusch

2. Die Puste-Methode – einmal kräftig blasen bitte

Du kannst gut pusten? Super, dann ist das die richtige Methode für Dich, um dem Pelz auf die Schliche zu kommen. Alles, was Du dafür tun musst, ist einmal kräftig Luft zu holen und sie dann zwischen die Haare strömen zu lassen. Echtpelz lässt sich dadurch ganz leicht nach außen drücken und reagiert so, wie Du es auf dem Foto sehen kannst. Da er sehr weich ist, leistet er keinerlei Widerstand. Ganz im Vergleich zum Kunstpelz, der eher steif ist und sich weniger sanft bewegt.

© Elisa Hanusch

3. Die Unterwolle-Methode – Löckchen oder nicht?

Genau so, wie Milch für hungrige Kälber ist, gibt es Fell, um Tiere an kalten Tagen zu wärmen und an anderen gut zu schützen. Damit diese Schutzschicht richtig dicht wird, lässt man die Tiere in kleinen Käfigen und bei niedrigen Temperaturen vor sich hin vegetieren. Das sorgt vor allem dafür, dass die Unterwolle reichlich wächst. Die kannst Du erkennen, wenn Du Dir die innere „Schicht“ des vermeintlichen Pelz-Produktes anschaust. Meist ist sie leicht gelockt, in jedem Fall aber enorm voll und weich. Kunstpelz besitzt viel weniger einzelne Haare und ist erfahrungsgemäß eher „härter“.

© Elisa Hanusch

4. Die Verjüngungs-Methode – die Spitze macht’s

Würdest Du Deine Haare nie schneiden, wären Deine Spitzen wahrlich so, wie es ihr Name verspricht – nämlich zum Ende hin spitz zulaufend. Das nennt sich „Verjüngung“. Da Tiere ihre Frisur in der Regel so akzeptieren, wie sie eben ist und damit einfach wunderschön aussehen, hat deren Fell genau diese Eigenschaft. Wenn Du Dir die Haar-Enden auf dem Foto ansiehst, erkennst Du das ganz gut – sie werden zum Ende hin immer dünner. Das hilft Dir wiederum, einen echten Pelz zu entlarven. Kunstpelzhaare sind stumpf am Ende, weil sich der natürliche Effekt nicht künstlich herstellen lässt.

© Elisa Hanusch

5. Die Anzünd-Methode – Fackeln nur unter Aufsicht

Achtung – diese Methode bitte nur, wenn Du bereits ein Produkt zu Hause hast und klären willst, ob Du es dabei mit Kunst- oder Echtpelz zu tun hast. Im Laden kommt sie mit ziemlicher Sicherheit nicht so gut an. Du zupfst dazu ein Haar aus dem Kragen oder Bommel und zündest es an. Ist es echt, riecht es nach verkokeltem Haar, ist es künstlich, einfach nach verbranntem Plastik.

© Elisa Hanusch

Herzlichen Glückwunsch!

Jetzt bist Du also offizieller Echtpelz-Erkennungs-Experte. Einen Tipp habe ich allerdings bis jetzt außen vor gelassen, weil er nicht dazu dient, Echtpelz zu erkennen, aber trotzdem die Lösung des Problems sein kann: einfach überhaupt keinen Besatz tragen. Das hat neben dem genannten Vorteil einen weiteren, denn auch ein Kunstpelz prägt ein gewisses Bild in unserer Gesellschaft. Wenn viele Menschen Kunstpelzbesatz tragen, werden so „verzierte“ Jacken oder Mützen normal – was offensichtlich bereits der Fall ist. Wenn jemand in ein Kleidungsgeschäft geht, um sich eine neue Jacke zu kaufen, hat sie oder er also dieses etablierte Bild im Kopf, es prägt die Vorstellung dessen, was gut oder einfach gewohnt aussieht. Und auch wenn Du dich bewusst für einen Kunstpelzbesatz entschieden hast, muss derjenige, dessen Jacken-Weltbild Du damit zusammen mit allen anderen manifestiert hast, nicht genauso denken. Es kann passieren, dass für sie oder ihn ein Echtpelz über die Warentheke wandert – und damit ist nichts gewonnen, weder für die Tiere, noch für denjenigen, der die Jacke später trägt. Denn wenn wir ehrlich sind: Gibt es nicht genug Auswahl an Produkten, die auch ohne ein Stückchen Fell gut aussehen?

Mit hoffentlich inspirierenden Grüßen

Deine Elisa

P.S.: Für all jene, die bewegte Bilder lieben und sich über zwei Arten der Aufnahme Inhalte einfach besser merken können, habe ich noch ein kleines Video von meinem YouTube-Channel. 😉

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