Artgerecht ist nur die Freiheit

by Elisa
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Der Zirkus ist wieder in der Stadt – so wie jedes Jahr. Immer dieselbe Monotonie, immer dieselbe Musik, immer derselbe Trott – nicht nur für mich, sondern vor allem für die Tiere. Für sie ändert sich nie etwas daran. Während ich mir, als Demonstrant vor Tierzirkussen, sagen kann, dass dieses ewige Beine in den Bauch Stehen vorbei geht, müssen sie sich dem ergeben. „Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd‘ geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt.“ Was Rilke so unglaublich tiefsinnig und herzrührend formuliert hat, durfte auch ich in den letzten Jahren tage- und wochenlang sehen. Tiger, Löwen, Elefanten, Zebras, Bären, Affen, Kängurus, Robben, Nashörner, Pferde, Lamas, Dromedare – wundervolle Tiere – unschuldig hinter Gittern. Was für mich hinter den Protesten steht, die ich seither betreibe, möchte ich Dir in den nächsten Wochen zeigen. Immer mal wieder, in verschiedener Form. Ausdrücken, warum diese Zirkus-Tage für mich mit eine der schlimmsten sind, die es gibt. Und warum ich trotzdem nicht müde werde, denen eine Stimme zu geben, die nicht für sich selbst sprechen können. Heute möchte ich mit einem Gedicht beginnen, das ich vor einigen Jahren geschrieben habe – vielleicht kann ich Dich so ein wenig auf das Thema einstimmen.

Der Elefant

Den Elefant, das weiß man hier,
den gibt es heut‘ schon fast nicht mehr.
Da hat sich so ein Mann gedacht,
er weiß, wie man es richtig macht.

Warum denn nicht den kleinen Rest
hinter Gitter sperren fest,
da kann ihnen dann nichts passier’n
und wir sie somit nicht verlier’n.

Dem Mann dem fiel schon noch was ein,
denn seine Börse war recht klein,
warum nicht auch noch Geld beschaffen,
von Menschen, die das Tier angaffen.

Da müssen wir es einfach zähmen,
ihm seinen ganzen Willen nehmen
und unser’n eignen implantier’n.
Durch’s Peitschen wird es schon parier’n!

Und wenn er dann so nett und lieb,
befreit von jedem inn’ren Trieb,
lustig durch die Gegend rennt
und die Kunst des Kopfstands kennt,
können wir den Leuten sagen,
sie brauchen gar nicht erst zu fragen,
ob dem Tier das Freude bringt,
wenn ihm so ein Trick gelingt.

„Würd’s ihm keine Freud‘ bereiten,
hier durch die Maneg‘ zu schreiten,
würde es das auch nicht machen,
diese ganzen Circus-Sachen.“

Doch ihm fällt schon noch mehr ein,
um abzulenken von der Pein.
Schließlich geht’s den Elefanten,
die durch die Savanne rannten,
viel besser hier in diesem Loch.
Das können Sie mir glauben! Doch!
Denn Sie müssen mal bedenken,
dass wir den Tieren Futter schenken!
Wären sie in Afrika,
wär‘ kein Futtergeber da!
Da müssten sie sich’s selbst beschaffen,
das muss doch jedes Kindlein raffen!

Ach ja, das Thema mit den Kindern
ist auch nicht so leicht abzumindern!
Der pädagogische Aspekt,
wenn Elefant den Rüssel streckt
heraus aus seinem engen Wagen,
lässt Kinderherzen höher schlagen!

Das lässt sich einfach nicht bestreiten,
auch wenn sie seinen Rücken reiten.
Woll’n sie mir vielleicht erzählen,
der Elefant – könnte er wählen –
würde lieber Freiheit nehmen?
Also dass Sie sich nicht schämen!
Hörn’s bitte auf, ich muss gleich lachen,
wenn Sie mir sagen solche Sachen!“

Der Elefant? Er steht und wartet,
bis der nächste Auftritt startet.
Hat alle Hoffnung aufgegeben
und fristet seinem öden Leben.

Der Traum von Freiheit ist nicht mehr.
Sein Auge ist schon lange leer.
Ausgelöscht von Menschenhand,
die in dem Tier Belust’gung fand.

Die Würde wurde ihm genommen
und all sein Willen ist zerronnen.
Sein Leiden konnt‘ kein Herz erweichen
und auch nicht den Verstand erreichen.

Das Menschenvolk, das von sich spricht:
An Fortschritt fehlt es bei uns nicht!
Wir sind so revolutionär,
und hochgebildet noch viel mehr!“,
baut, wenn es geht um Tieres Leid
und ihre Belastbarkeit,
auf Argumente dumm und dümmer,
verstehen werde ich das nimmer.

Ich frage mich: Wann fängt er an,
was man durch aus erwarten kann,
endlich einmal zu sinnieren?
Es würde helfen diesen Tieren.

© Elisa Hanusch, 07. März 2015

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