3. TÜRCHEN – vom Umgang mit Verlust & Trauer

by Elisa
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Schon wieder bei Teil DREI meiner Adventskalender-Geschichten-Reise angekommen. Die kleine, weiße Zahl zierte heute das Türchen und so will ich von etwas erzählen, dass vor DREI Jahren alles verändert hat. Die heutige Geschichte ist eine von Verlust und Trauer und davon, wie man etwas, das man kaum auszuhalten glaubt, trotzdem schafft.

Ich saß gerade auf meiner Couch, als mein Handy klingelte. Ich las Mamas Nummer auf dem Display und wischte nach rechts. Sie sprach erst nicht, dann sagte sie stotternd: „Elisa, es ist was Schlimmes passiert.“ Kurze Zeit später formulierte sie die Worte, die mir bis heute so fremd erscheinen. Mein Papa, tot, mit gerade mal 50. Ohne Vorwarnung, ohne Krankheit, ohne Sicherheitsnetz, das mich hätte auffangen können. Mitten am Boden lag ich, zerschellt an der unwahrscheinlichen Macht dieser Nachricht. Er war gerade erst mit Mama und meiner Schwester ins Ausland gezogen, sie hatten sich damit einen langen Traum erfüllt. Nur einen Monat später starb er. Im Hotel.

Plötzlich ist alles so anders.

Ich konnte und kann mir bis heute manchmal nicht vorstellen, wie ein Leben ohne ihn aussehen soll. Ohne seinen Rat, ohne sein Lob, ohne seine Bewunderung. Ich weiß nicht, was er heute dazu sagen würde, dass ich mich selbstständig gemacht habe, ich weiß nicht, was er mir raten würde – wissen, tu ich nichts. Aber ich kann es vermuten. Oft sitzt er dann vor meinem inneren Auge da und spricht mit mir. Und dieses Sprechen war es, das uns als kleine Familie unwahrscheinlich geholfen hat, den Schmerz zu überwinden.

Ein Licht in der tiefsten Dunkelheit.

Als ich zwei Tage nach dem Schicksalsschlag am Flughafenterminal in München auf meine Schwester und meine Mama wartete, hatte ich Angst. Davor, die fröhliche Art der beiden zu verlieren. Davor, dass der Schmerz nicht auszuhalten sein würde. Davor, dass ich nicht genügend Kraft hätte, das alles zu überstehen. Und davor, dass ein Leben ohne ihn einfach nicht funktionieren würde. Als sich die Glasschiebetür langsam öffnete, passierte aber in all dieser unwahrscheinlichen Düsterkeit etwas Magisches – meine Mama, die über 20 Jahre mit Papa verheiratet und glücklich war, die sich ihr Sein nie ohne ihn vorstellen konnte und die immer an seiner Seite gewesen war, lächelte mich an, nahm mich in den Arm und sagte: „Es wird alles gut. Wir schaffen das.“

Die positive Trauer

Und das wurde es. Sie hatte in allem Recht. Heute hilft mir oft meine Schwester, wenn die Verzweiflung mal über mich kommt, weil ich ihn in ihr leben sehe. Damals hat mir auch ihre Kraft – sie hatte schließlich mit 16 ihren Vater verloren – sehr geholfen. Und unsere positive Art zu trauern. Es klingt vielleicht widersprüchlich. Aber vielleicht kann unsere „Vorgehensweise“ auch ein Vorbild für andere sein. Wir haben während der Zeit des Abschieds, der Überführung, der Trauerfeiern und des Weinens versucht, das Positive zu sehen. Was hat er uns gegeben? Welche Möglichkeiten haben wir heute durch ihn? Was hat er in uns hinterlassen? Würde er wollen, dass es uns jetzt schlecht geht? Und wir waren und sind überzeugt, dass er immer noch bei uns ist. Seine Trauerfeier wurde ein Tag des Abschieds, aber keiner der Verzweiflung. Ein Tag der tausend Tränen, aber keiner ohne Hoffnung. Und es war unwahrscheinlich schön zu erleben, wie auch Freunde, Familie und Mittrauernde durch diese Art gestärkt wurden. Ich gestaltete ein mehrseitiges Erinnerungskärtchen, das nur Bilder zeigt, auf denen man ihn lachen sieht. Mit den Worten darin wollte ich genau das ausdrücken, was uns diese Phase so erleichtert hat:

Du kannst weinen,

weil ich nicht mehr da bin

oder Du kannst Dich freuen,

weil ich gelebt habe.

Du kannst wegschauen und Dir wünschen,

dass ich wiederkomme

oder Du kannst erkennen und all die Spuren sehen,

die ich in Dir hinterlassen habe.

Ich bin jetzt auf einem Segelboot.

Du siehst mir nach und das Boot

langsam am Horizont verschwinden.

Aber trotzdem ist es immer noch da,

auf dem Weg zu anderen Ufern.

Die negative Trauer

Es gibt auch eine andere Möglichkeit, zu trauern. Ich habe sie erlebt und vorgeführt bekommen. Als ich den Raum wieder verließ, war alles so unendlich viel schwerer, kaum zu ertragen. Als wäre in Sekundenbruchteilen jeglicher Funken Leben in mir verloschen. Ich möchte Dir mit diesem Blogbeitrag nicht vorschreiben, wie Trauer funktioniert. Jeder muss das für sich selbst wissen. Aber ich habe gesehen, was verzehrende Trauer mit Menschen macht. Und ich bin mir ganz sicher: Das hätte er nicht gewollt. Und bitte verstehe mich nicht falsch. Denn wir mussten uns oft genug den Vorwurf gefallen lassen, wir würden nicht trauern. Wir haben getrauert und tun es noch. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke, an dem ich ihn nicht vermisse. Aber es muss weiter gehen. Das Loch muss kleiner werden und uns nach und nach wieder ans Licht befördern. Denn sonst drohen wir unter zu gehen. Ich trage ihn in meinem Herzen und er spricht von dort aus oft zu mir. Während ich diese Zeile schreibe, weine ich. Aber es ist ein gutes Weinen. Keines, das mich machtlos macht. Sondern eines, das mich stärker als zuvor macht.

Meine Schwester sagte damals oft: „Wir haben so viel zusammen erlebt, jetzt können wir alles schaffen.“ Und sie hat so Recht. Papa sieht sie an und ich kann den Stolz in seinen Augen funkeln sehen.

Hoffnungsvolle Grüße

Deine Elisa

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