2. TÜRCHEN – Katzengeschichten

by Elisa
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Die ZWEI auf dem Adventskalendertürchen ist heute die Ideengeberin für meine Geschichte. Wenn ich an diese Zahl denke, gibt es tatsächlich etwas, das mir sofort einfällt. Zwei Seelen, die meinen Alltag bereichern, die mir das Leben versüßen, die stets an meiner Seite sind und die einfach zu mir gehören: Tristan & Maria. Darum möchte ich Dir erzählen, wie wir uns kennen gelernt haben und was die Beiden ausmacht.

Als ich mit 18 zuhause ausgezogen bin, war mir eines relativ schnell klar: Ohne ein Tier in meiner Nähe geht es einfach nicht. Ich bin mit Vierbeinern aufgewachsen und hatte schon immer einen besonderen Draht zu ihnen. Damals lebte ich noch nicht vegan. Ein Schritt, der meine Beziehung zu ihnen noch um ein ganzes Stück intensiver gemacht hat – denn vegan zu sein, bedeutet für mich auch, mit ALLEN Tieren Frieden zu schließen und sie plötzlich als gleichwertige Lebewesen wahrzunehmen. Dieser für mich wirklich prägende Schritt wertet ihre Gesellschaft enorm auf, denn er befähigt dazu, Tiere – und damit auch „Haustiere“ – jenseits ihres Nutzens für den Menschen zu betrachten. Denn auch „Haustiere“ haben einen Nutzen: Sie sollen gute Gesellschafter sein, Liebe und Nähe schenken, Bedürfnisse befriedigen. Jenseits davon, sind sie aber schon vollkommen genug: ehrenwerte und vor allem unwahrscheinlich ehrliche Lebewesen.

Auf die Katze gekommen

Ich lebte also allein in meiner neuen Wohnung und dachte eines schönen Nachmittags bei mir, dass es doch toll wäre, eine Katze bei mir aufzunehmen. Oft ist es mit der Beziehung zu Haustieren so eine Sache – denn die Liebe, die man ihnen entgegenbringt, ist bei vielen Menschen keine bedingungslose – auch wenn sie sich das nie zugestehen würden.

Denn sie erwarten für ihre Fürsorge Gegenleistungen in Form von entgegengebrachter Liebe seitens der Tiere.

Es ist, wie mit Krambambuli, dem armen Hund, dessen Schicksal in Marie von Ebner-Eschenbachs gleichnamiger Novelle beschrieben wird: Für Alkohol an einen neuen Besitzer abgegeben, dem er treue Dienste leistet, zerreißt es ihn schließlich, als er eines Tages wieder auf sein früheres Herrchen trifft. Er liegt gespannt und jaulend am Boden und weiß – von beiden Seiten angerufen – nicht, zu welcher er sich wenden soll. Krambambuli endet tragisch, weil ihm eine menschliche Rolle zugewiesen wurde, die er als Hund nicht erfüllen konnte.

Bei mir verhielt es sich zwar nicht so schlimm, aber ich denke, die Grundintention war ähnlicher Natur: Ich habe mir damals eine Katze zu mir nach Hause geholt, weil ich nicht allein sein wollte. Weil ich das Gefühl der Zuneigung eines Tieres spüren wollte. Und so schön das klingt, sind es doch eigentlich egoistische Gründe. Heute weiß ich es besser und würde anders handeln. Ich würde einer Katze ein zu Hause schenken, um ihr Obdach zu geben, ihr ein schönes Leben zu ermöglichen und, um sie sein zu lassen, wie sie eben ist. Meine heutigen ZWEI bekommen genau das natürlich auch – der Beweggrund war damals aber wohl ein anderer.

Tristans Urvertrauen – oder – die etwas andere Katze

© Elisa Hanusch

Nichts desto trotz – nachdem Tristan, alias Herzchen, alias Herzebär, bei mir einzog, bekam er natürlich alles, was ein Katzenherz begehrt und bekommt es noch heute. Er musste nicht unter den wohl egoistischen Beweggründen leiden. Doch Du solltest Dir immer bewusst sein, dass es jenseits Deines Wunsches, ein „Haustier“ zu haben, vieles zu beachten gibt. Tiere können auch schwierig sein, krank werden, sie haben Bedürfnisse, die völlig jenseits der menschlichen liegen und wollen auch mal ihre Ruhe. Die Erfüllung all dieser Punkte muss Priorität vor jedem menschlichen Wollen haben. Bei Tristan habe ich das sehr ernst genommen, ihn aber trotzdem irgendwie vermenschlicht – wie man das eben so tut. Das hat ihm nicht unbedingt geschadet, sondern dazu geführt, dass er sich heute, mit seinen acht Jahren, oft mehr wie ein Mensch verhält, als eine Katze. Er hat ein Urvertrauen in mich. Ich kann ihn in jeder erdenklichen Form herumtragen, er lässt sich fallen und verlässt sich darauf, dass ich ihn auffange. Er sucht die Aufmerksamkeit viel intensiver als andere Katzen und er liebt es, in meiner Nähe zu sein. Er sucht nie die Distanz, sondern orientiert sich immer an meinem Verhalten.

© Elisa Hanusch

Als ich mich im April selbstständig gemacht habe und immer lange an meinem Schreibtisch saß, lief Tristan ganz unruhig auf und ab. Teilweise begleitet von unablässigem Schreien. Das kannte ich so nicht, obwohl wir schon fast acht ganze Jahre zusammen lebten. Ich musste mich teilweise bei Kunden am Telefon entschuldigen, weil er so energisch war. Irgendwann holte ich einen Stuhl aus dem Esszimmer, platzierte ihn neben meinem Bürostuhl und legte ein Kisschen darauf. Tristan schaute mir zu, sprang auf das Kissen, rollte sich ein und das Problem war gelöst. Seitdem macht er das jeden Tag, wenn ich mich an meinen Schreibtisch setze und bleibt an meiner Seite, bis ich den Raum verlasse. Abends, wenn ich auf der Couch sitze und zu ihm sage: „Gehen wir ins Bett?“ steht er auf, läuft schnurstracks ins Schlafzimmer, legt sich auf seine Kuscheldecke und liegt dort, bis morgens der Wecker klingelt. Er ist schon ein besonderer Kater. Und für mich wie mein Kind.

Tristan und … Isolde? Nein – Maria.

Dass er so anders ist, als andere Katzen, merke ich auch deshalb so sehr, weil ich den Vergleich habe. Der kam ein wenig später als Tristan zu mir nach Hause: Maria, alias Mäuschen, alias Mäusebär. Isolde passte irgendwie einfach nicht zu ihr. Die erste Reaktion meiner Oma auf die Namensgebung war: „A schwarze Katz‘ dauft sie Maria!“ Naja – jedenfalls hat Maria auch ihren ganz eigenen Charakter, aber in vielen ihrer Handlungen ist sie einfach Katze. Sie kommt, wenn sie will und wenn man sie ruft, kommt sie meistens nicht. Sie interessiert sich nicht dafür, ob man gerade beschäftigt ist oder den Laptop auf dem Schoß hat, wenn sie da jetzt gerne liegen möchte. Dann eben quer drüber. Sie hat ihre typischen fünf Katzenminuten am Tag, in denen sie wie von der Tarantel gestochen durch die Gegend springt. Sie schläft viel, sie jagt manchmal ihren Schwanz und sie ist sich vor allem selbst genug. Tristan nicht, der braucht Beschäftigung. Die findet er nicht mit sich selbst, sondern nur mit Menschen. Oder aber mit Maria, die er übrigens leider nicht besonders sanft behandelt. Vielmehr jagt er sie, wo er nur kann – was dann doch wieder typisch Katze ist. Maria hat sich seine Unflätigkeit zu Herzen genommen und meidet ihn. Fünf Meter Mindestabstand ist ihr Gebot, für Nichteinhaltung erntet Tristan Kratzer auf seinem rosa Näschen.

„Meine“ Seelenkatze

© Elisa Hanusch

Eine besondere Eigenschaft von Maria ist übrigens ihre unwahrscheinliche Pünktlichkeit. Beide bekommen nach dem Aufstehen und um 17:00 Uhr Essen. Sie setzt sich jeden Tag zwischen 16:55 Uhr und 17:05 Uhr in meine Nähe und starrt mich an. Egal, wie tief ich gerade in Arbeit oder Gedanken versunken bin – diesen Blick bemerke ich nach spätestens einer Minute, denn er durchbohrt mich regelrecht. Und sie ist nie unpünktlich, außer kurz nach der Zeitumstellung. Nach einer Woche hat sie den Rhythmus wieder intus und es geht weiter mit dem „Ich starre Dich so lange an, bis Du mir was zu Essen gibst“-Ritual. Maria ist außerdem sehr auf mich fixiert, ich bin mir aber ziemlich sicher, dass das vor allem auch daran liegt, dass sie mich eben am meisten um sich hat. Wahrscheinlich bin ich in meiner Rolle also austauschbar. Das schönste Gefühl, das sie mir schenkt, hängt mit einer Angewohnheit von ihr zusammen: Wenn sie abends im Bett auf meinen Bauch klettert, legt sie sich hin, dreht sich nach einigen Streicheleinheiten zur Seite und senkt sanft ihren Kopf auf meine Brust. Dabei schnurrt sie ein bisschen wie eine verrostete Gießkanne und wird so zur schönsten Einschlaftherapeutin, die es gibt. So begleiten die ZWEI mich meine Tage und Nächte hindurch und ich bin unendlich dankbar, dass sie an meiner Seite sind. Ich hoffe jeden Tag aufs Neue, ihnen gerecht zu werden und dass sie auch ein bisschen froh sind, mich zu haben. Wenn ich heute daran denke, was wohl sein wird, wenn die Beiden nicht mehr sind, ist das für mich ein unvorstellbarer Zustand. Darum hoffe ich, dass sie noch sehr lange bei mir sein werden.

Schnurrige Grüße

Eure Elisa

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