6. TÜRCHEN – 6 Tipps für gute „Vorsätze“ 2020

by Elisa
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Das sechste Adventskalendertürchen enthält SECHS Tipps für alle Vorsatz-Unentschlossenen, die noch mit sich hadern, was sie sich dieses Jahr zu Silvester hinter die Ohren schreiben sollen. „Vorsätze“ deshalb in Anführungszeichen, weil ich es für ein sehr problematisches Wort halte. Denn erstens werden sie oft sehr lieblos behandelt und nur als Floskel unsanft in den weiten Raum der Zukunft geschmissen, wo sie in einer dunklen Ecke verstauben und im schlimmsten Fall am Ende eines Lebens wieder herausgekramt und poliert werden, ohne ihren einst jugendlichen Glanz wieder zurückzuerlangen. Zweitens trägt die Definition „etwas, was sich jemand bewusst, entschlossen vorgenommen hat; feste Absicht; fester Entschluss“ irgendwie so etwas von schwerer Verpflichtung. Es klingt ungemütlich und anstrengend, nach Kraftaufwand. Und das sollten sie nicht sein – denn dafür sind Vorsätze oft viel zu wichtig. Sie sollten Spaß machen, denn nur so kann man sie auch wirklich umsetzen. Nennen wir das ganze also: „6 Tipps für Dinge, die Du 2020 verwirklichst“. Das hat was von Visionär, Kämpfergeist, Schöpfungswillen, einem ganz neuen Ich. Das neue Jahr kann kommen!


1. Jemandem sagen, dass Du ihn liebst

© Elisa Hanusch

Ich bin unendlich dankbar, dass ich das noch einmal bewusst getan habe, bevor es endgültig zu spät war. Papa feierte seinen 50. Geburtstag im kleinen Kreis und am Tisch entstand die übliche vegan/nicht vegan Diskussion. Ich muss hier wider aller Vorurteile erwähnen, dass nicht ich diejenige war, die den Stein ins Rollen brachte, sondern die Allesesser in der Runde. Jedenfalls versalzte die Emotion meinerseits die Diskussion zu einem Streit. Seine Mama und seine Tante verließen schließlich das Haus, ohne zu vergessen, mir mitzuteilen, dass ich „die Veranstaltung gesprengt“ hätte. Alles endete mit einer kleinen, (obwohl schon 27-jährigen) Elisa, die im Wintergarten am Boden saß und weinte. Ich hatte den Streit nicht angefangen, aber es sind damals Sätze gefallen, die einfach sehr verletzt haben. Trotzdem hab‘ ich es irgendwann nicht mehr ausgehalten, bin in die Küche gegangen, wo Papa mit dem Rücken zu mir stand, hab ihn angetippt und unter Tränen gesagt, dass es mir leid tut. Er nahm mich in den Arm und wir sagten uns, dass wir uns lieb haben. Das war in dieser Situation wichtig und auch im Hinblick darauf, dass man vielleicht irgendwann keine Möglichkeit mehr dazu hat und dann bereut, es nicht schon vorher und viel öfter gesagt – und vor allem gezeigt zu haben. Ich verlor ihn ein halbes Jahr später, aber er wusste, was er mir bedeutet. Also nutze die Gelegenheiten, das Deinen Liebsten zu zeigen, so oft Du kannst.


2. Mehr Selbstachtung & Selbstsicherheit gewinnen

© Elisa Hanusch

Gestern war Jahresabschlussfeier vom Bund Naturschutz. Ich war vergangenes Jahr viel involviert, weil ich, wie schon die vorherigen vier Jahre, wieder fleißig beim Krötensammeln geholfen habe. Um das Foto für den Zeitungsbericht zu machen, nahm ich meine Kamera mit. Als ich dann heute am Laptop saß, um mir die Bilder anzusehen, traute ich meinen Augen nicht. Da sehe ich mich selbst auf dem Bild – mit meiner rechten Hand in einer vollkommenen Verkrampfung begriffen. Hallo, darf ich vorstellen, mein Name ist Unsicherheit – wie sie leibt und lebt. Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich darüber lachen. Ich hab‘ sie also immer noch nicht überwunden und es selbst nicht einmal gemerkt. Das muss unbedingt besser werden – ist aber ein laaaaaaaangwieriger Prozess. Wenn Du das Gefühl kennst, lass uns doch das „Problem“ nächstes Jahr einfach gemeinsam anpacken. Immerhin bin ich wegen meiner Ängstlichkeit und Unsicherheit vor zehn Jahren noch kaum allein vor die Tür gegangen. Es hat sich also schon viel getan. Und in meinem Job werde ich natürlich ständig ins kalte Wasser geschmissen. Für einen Artikel bleibt mir eben nichts anderes übrig, als auf Menschen zuzugehen. Mach 2020 also zum Jahr der kleinen Herausforderungen und ebne den Weg für mehr Selbstsicherheit. Die geht übrigens Hand in Hand mit Selbstachtung. Wer sich selbst schätzt, kann auch besser vertrauen.


3. Vegan werden

Eine der besten – oder vielleicht sogar die beste Entscheidung meines Lebens war es, vegan zu werden. Und ich möchte jetzt hier auch gar nicht mit der Du-Musst-Keule kommen (obwohl vegan zu sein in Zeiten des Klimawandels und hinsichtlich des katastrophalen Umgangs mit Tieren tatsächlich genaugenommen ein Muss ist), ich möchte Dich eher dafür begeistern, es doch einfach mal auszuprobieren. Schließ Frieden mit den Tieren – denn nicht nur „Haustiere“ sind Tiere und wer „Tiere liebt“, sollte diese Liebe nicht spezizistisch auf bestimmte Arten beschränken. Jedes mal, wenn ich vor einem reich gedeckten Tisch mit veganen Köstlichkeiten sitze, bin ich so unwahrscheinlich glücklich darüber. Eine so große Vielfalt an Nahrungsmitteln stehen uns zur Verfügung, für die kein Tier leiden oder sterben musste. Und Du wirst bald merken, dass es Dir nicht nur mental, sondern auch körperlich unwahrscheinlich gut tut.

© Elisa Hanusch

4. Weniger Müll verursachen

Das ist ein Punkt, in dem auch ich noch viel besser werden kann und will. Es ist mir wirklich ein Anliegen – nicht nur, weil es unwahrscheinlich viel nutzt, sondern weil es ganz nebenbei auch Spaß macht. Denn wer Müll vermeiden will, muss auf die Suche gehen: nach verpackungsfreien Läden, nach Kosmetikmarken, die auf Nachhaltigkeit setzen, nach regionalen Initiativen. Es ist ein Lernprozess, der die zeigen wird, in wie vielen alltäglichen Produkten Mikroplastik steckt, dass Du kein Geschenkpapier brauchst, um Geschenke zu verpacken, dass es Duschgel auch in fest und ohne Plastikverpackung gibt und dass eine Spülbürste aus Holz mit auswechselbarem Kopf aus Agavenfasern unglaublich lange hält und nicht nach kurzer Zeit so eklig stinkt, wie die aus Kunststoff. Dieses Lernen ist manchmal frustrierend, weil das Augenöffnen immer mit mehr Bewusstsein auch für das Schlechte und Grausame zu tun hat, aber es tut auch gut. Man bekommt das Gefühl, sein Leben mehr und mehr selbst in die Hand zu nehmen, anstatt es als von Werbung, „Tradition“ und Prägung fremdbestimmt hinzunehmen.

© Elisa Hanusch

CO² – der Müll in der Atmosphäre

Zur Müllvermeidung gehört für mich auch, den CO²- Ausstoß zu reduzieren. Also mehr Fahrradfahren, mehr zu Fuß gehen, mehr entdecken, da man dadurch automatisch Prozesse entschleunigt, mehr vorausschauend planen, zum Beispiel bezogen auf Einkäufe. Seit ich von zu Hause aus arbeite, habe ich den Vorteil, dass ich mein Auto nur noch brauche, wenn ich zu Terminen muss, die weiter als drei Kilometer weg sind. Im Sommer möchte ich auch hier besser werden und öfter das Rad nehmen, wenn die Entfernungen größer sind. Lokal auf dem Wochenmarkt zu kaufen oder in eine grüne Kiste zu investieren lohnt sich und man lernt ganz nebenbei viel neues Obst und Gemüse kennen. Und ein letzter Tipp zum Thema Müll vermeiden: einfach auch mal nicht kaufen. Das ist die simpelste Methode. Denn viele (oder wahrscheinlich sogar die meisten) Konsumgüter benötigen wir gar nicht. Wenn Du im Klamottenladen stehst und glaubst, dass Du dieses flippige Teil unbedingt brauchst, denk einfach an Deinen Kleiderschrank zu Hause und Du wirst merken, dass der schon mehr als voll ist. Und wenn es dann doch unbedingt sein muss, schau‘ doch mal in einem Second-Hand-Laden vorbei.


5. Kreativ sein

Kreativ zu sein, hat für mich auch etwas Generatives. Wenn ich kreativ denke, kreativ handle und kreativ lebe, habe ich das Potential, etwas zu schaffen, das wirkt, also einen nachhaltigen Effekt auf mein Umfeld hat. Die schlimmste Vorstellung für mich ist die, gelebt zu haben, ohne prägend gewesen zu sein. Und wenn es nur für die Handvoll Menschen war, die ich überzeugen konnte, eine vegane Lebensweise zu versuchen. Das Wort „kreativ“ wird in der heutigen Gesellschaft leider oft allzu inflationär verwendet, ohne sich dessen eigentlicher Bedeutung bewusst zu sein. Jemand, der einigermaßen schön basteln kann, oder ein Zimmer ansprechend gestaltet, ist heute bereits kreativ – der wirklichen Wortbedeutung steckt aber mehr inne. Denn der Kreative kann nicht nur Vorgaben schön und ästhetisch ansprechend umsetzen, sondern er kreiert auch. Ist „schöpferisch“ tätig. Der Duden bezeichnet „kreativ“ darüber hinaus als „Ideen habend und diese gestalterisch verwirklichend“. Die Idee ist also fester Bestandteil dieses Begriffs – und dann zu wissen, wie ich diese umsetzen kann.

Ausgangs- und Endpunkt – von der Idee zur Umsetzung

Und so schwierig das klingt: dafür gibt es unendlich viele Möglichkeiten. Auch ich bin hinsichtlich der Definition wenig kreativ, weil ich oft Vorlagen brauche, um gestalten zu können. Aber die meisten meiner Texte sind Produkte einer kreativen Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen. Videos und Fotos mit bedeutendem Inhalt können das ebenso sein. Oder einfach ein Bild, dass eine verwirklichte Idee darstellt. Und zu guter Letzt auch die Anfangs erwähnte Wirkung in der Öffentlichkeit. Ich habe eine Idee, beispielsweise, Menschen zu nachhaltigerem Handeln zu bewegen und setze diese anschließend gestalterisch um. In Form eines Happenings, einer Demo oder einfach eines Infostandes, um den herum ich Menschen sinnbringend mit verschiedenen Utensilien positioniere, die Menschen anschließend erreichen. Auch das ist Gestaltung. Menschen können genau so Mittel zu kreativem Wirken sein. Das hat schon Joseph Beuys vorgemacht. Es gibt so viele Möglichkeiten, kreativ zu sein – wenn man sich der exakten Bedeutung erst einmal bewusst ist, wird die Sache umso spannender.


6. Ein Instrument lernen

Ich persönlich finde, jeder Mensch sollte zumindest ein Instrument spielen lernen. Denn es bereichert ungemein. Nicht nur bezogen auf die Ausgleichsfunktion, die das Musikmachen im stressigen Alltag übernehmen kann, sondern auch hinsichtlich der Fähigkeit, ein Notenblatt zur Hand nehmen und „lesen“ zu können, was da steht. Da schlummert eine ganze Welt von Literatur, die nur darauf wartet, entdeckt zu werden. Wer Stücke oder Lieder selbst spielt, nimmt sie auf einer zusätzlichen Ebene auf, an die das reine Hören (das natürlich ebenfalls nicht zu verachten ist), nicht heranreicht. Und eines schätze ich auch unwahrscheinlich am Musizieren: Wenn in einer Familie mehrere Menschen ein Instrument spielen, kann man gemeinsam spielen und so sinnvolle und sehr bereichernde Zeit miteinander verbringen. Ich spiele Blockflöte, Querflöte und Klavier, hab‘ aber selbst auch immer noch nicht genug. Ein Traum von mir ist es, irgendwann noch Cello zu lernen. Das hab‘ ich mir fest vorgenommen.

In diesem Sinne:

Mit zukunftssicheren Grüßen

Deine Elisa

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